Konsensus erwünscht?

  • Hallo Guppyzüchter!


    Seit langem ärgert mich die arge Funkstille zwischen den Ländern weltweit, in Sachen Guppyhochzucht. Klar, es wird hin- und hergereist, Guppyfreunde hier und da besucht, Ausstellungen besucht und auch beschickt - das meine ich nicht. Ich meine einen Regelrechten Austausch in Sachen Standards usw. Das hatten wir eigentlich zuletzt als der neue IHS kam, der dann zu verschiedenen Sprachen übersetzt wurde und dann Schluss. Wie geht es nun weiter? Geht es in Sachen Guppyzucht auch ein Wenig so wie in den Hobbyvereinen, wo man sich des öfteren wegen mangelnden Aktivitätsgrades zu beklagen hat? Alle sitzen wir nun anscheinend vorm Internet und suchen uns Guppies per Postversand aus?


    Vor allen Dingen ärgert mich, das man ungescholten Behauptungen von sich geben kann, über beispielsweise die Zucht- oder Genetikkenntnisse der Europäer, und bei Ansprache dann nur den Kopf schütteln und weitermachen. Amerikaner breiten Aussagen über Europäer aus, die nichts als reine Unterstellungen sind. Wenn man danach darüber meckert, dann wird einem das Forum geschlossen (nicht mir passiert, aber schon mehrmals internationell miterlebt). Russen werden beschuldigt einfach neidisch zu sein, und die Amerikaner dann als Lügner enttarnt. Wir Europäer sind einfach dumm, die Japaner betreiben nur Qualzuchten und damit hat es sich. Und danach spricht keiner mehr miteinander.


    Es ist ja merkwürdig. Wir wollen doch nur schöne Guppys züchten. Oder...? Ich finde es wird langsam Zeit, das wir uns doch irgendwie einigen können. Keiner hat z.B. jemals einen ernsthaften Versuch gemacht, die Russische Guppyzucht anzuschauen. Wo liegt das Problem? Sprachlich? Die Personenchemie einzelner Akteure darf und sollte eine weiterführende Weltweite gemeinsame Entwicklung der Guppyzucht nicht im Wege stehen dürfen.


    In dem Sinne, vor Zwei Tagen wurde eine neu ausgearbeitete Grundfarbentabelle in Russland veröffentlicht, die ich finde etwas Aufmerksamkeit geschenkt werden sollte. Die Diskussionen über frühere, noch etwas tapsige Schritte zur Annäherung an der Guppygenetik und Hochzucht, haben bisher leider kein besonders beeindruckendes Niveau erreicht. Möglicherweise weil nicht sofort eingesehen wurde, das auch die Sprache und nicht nur einige Grundprinzipien ganz anders lauten. Als es dann lauthals und nicht mehr mit Respekt losging, hörte es gleich schnell wieder auf. Schade. Ich finde es gibt hier grosse Möglichkeiten einerseits zur Bereicherung des persönlichen Hobbys und andererseits zur Förderung des internationalen Austausches. Meiner bMn ist dieser Austausch erwünscht, denn wir stecken jetzt etwas in der Sackgasse.


    Internationell gesehen finden wir viele wissenschaftliche Untersuchungen die unserem Hobby weiterbringen könnten, die jedoch aber noch nicht von nahmhaften Hobbyleuten (Teoretiker sowie Praktiker gleicherweise) in Betracht gezogen worden sind. Hier ist noch viel zu tun, z.B. einige "vielzitierte Wahrheiten" endlich mal wegzuräumen, oder etwa auch genetische Prinzipe auf IHS usw zu implizieren.


    Lange Rede, kurzer Sinn, ich sehe Schwarz wenn ich so einige Beiträge und Gespräche im Internet durchlese. Wo steht der Respekt für die Wissenschaft oder zwischen Züchtern zu finden? Wo versteckt sich der ernsthafte Wille zur Zusammenarbeit und Kommunikation? Klar, wir sind meist nur Hobbyleute ohne besonderen Biochemischen oder Genetischen Kenntnissen, aber etwas Mühe und Freundlches Entgegenkommen können wir uns doch leisten?


    Naja, wer sagts, der muss es auch selber tun ...Ich habe angefangen mich mit der Russischen Guppyzucht zu befassen, um herauszufinden ob es einen Weg zur besseren gemeinsamen Verständnis gibt. Die neue Grundfarbentabelle mit von Vladimir Storozhev ausgearbeiteten Untersuchungsresultaten und von Dr Sergey Apryatin bearbeitet, ist ist ein Ausgangspunkt für Diskussionen und Austausch. Eine korrekte Übersetzung ist jedoch unumgänglich, denn in den füheren Diskussionen sehe ich nur lauter Missverständnisse ...


    Was wäre, wenn wir ein Wenig umdenken? ZB könnten wir die roten Farbstoffe in mehrere unterteilen um danach die Grundfarben zu benennen. Wir könnten dabei vielleicht besser zutreffende Bezeichnungen für Albinos schaffen, oder die Blauen in einer Kategorie einteilen, die auch wirklich deren Erbgänge entsprechen. Achso ja, die Russen sind ja schon auf dem Weg :? Wir haben da was übersehen ;)


    Ich sehe hier eine mögliche Fortsetzung unseres Hobbys. Was meint Ihr anderen?


    MfG
    Christina

  • Es wäre natürlich schön, wenn man das russische Material hier übersetzt finden würde! Dann kann man es beurteilen.


    HH

  • Hallo Christina,


    ich hoffe, dass du meine ehrliche Antwort nicht übel nimmst. Egal was sich tun sollte, jede Neuerung muss europaweit durch das IKGH abgesegnet werden (oder die Vereine müssten sich vom IKGH lösen). Da sehe ich schwarz. Da ich die russischen Materialien nicht kenne, kann ich nichts dazu sagen.


    Zum IHS: Ich bin der Meinung, dass nur der Phänotyp bewertet werden kann. Alles, was an Genetik neu zu berücksichtigen wäre, müsste dann auch phänotypisch erkennbar und eindeutig unterscheidbar sein, denn es sind die Fische, die bewertet werden müssen. Wir hatten ähnliche Diskussionen vor Jahren in einem mittlerweile nicht mehr existierenden Forum.


    Ich sehe, zumindest für Deutschland, ein ganz anderes Problem. Wir haben mittlerweile 9 oder 10 Vereine (oder 11??), die sich ausschließlich oder unter anderem mit der Guppy(hoch)zucht beschäftigen - und wir werden in diesem Jahr wohl nur 2 (!) Durchgänge zur deutschen Meisterschaft erleben. Sorry, das ist arm, dass die absolute Mehrheit der Clubs nicht mal mehr eine Ausstellung schultern kann oder will! Die immer weniger werdenden Aktiven sind in den verschiedensten Clubs, eine Zusammenarbeit ist schwierig. Vereinsübergreifende Aktionen sind mehr oder weniger gescheitert bzw. wurden nie wiederholt (Guppychampionat von Zajac, gemeinsame Ausstellungen von DGD und GKR). In Deutschland muss, glaube ich, wirklich erst Ruhe einkehren, es muss der Weg zu mehr Miteinander gefunden werden (aber wie?) oder es müssen sich einfach ein paar der Clubs wieder auflösen... erst dann können wir wieder stärker über die Grenzen schauen.


    Und schließlich: Mir geht es so, dass ich im Moment meine Schwerpunkte geändert habe - ich habe die "Hochzucht"guppys stark reduziert, ein paar interessante Wildformen dazugenommen und ich erfreue mich an meinen Endlers - anstatt auf Ausstellungen über ungerechte Wertungen und Drittelpunkte zu lamentieren!


    Die wissenschaftliche Seite verfolge ich nicht, mir fehlen dazu weiterreichende Kenntnisse. Ob es international Vorurteile gibt, kann ich auch nicht beurteilen - man käme sich aber europaweit vielleicht näher, wenn seitens des IKGH ein paar Anstöße kommen würden (z.B. ein "yearbook", ein internationales Forum und eine eigene Webpräsenz, die nicht bei jedem Präsidentenwechsel umstrukturiert werden müsste!).


    Letztlich: Ich will nicht klagen - ich genieße die relative Ruhe nach ein paar sehr stürmischen Jahren in Deutschland und ich werde mich, national und darüber hinaus, zurückhalten. Das hab' ich in der Vergangenheit gelernt!

  • Hallo heimo!


    "heimo" schrieb:

    Hallo Christina,
    ich hoffe, dass du meine ehrliche Antwort nicht übel nimmst.


    Selbstverständlich nicht. :) Wir können doch wie Erwachsene reden. Das ist es ja gerade, worum es für mich geht!

    Zitat

    Egal was sich tun sollte, jede Neuerung muss europaweit durch das IKGH abgesegnet werden (oder die Vereine müssten sich vom IKGH lösen).


    Auf keinen Fall! Ich rede von rein Wisschschaftlichen Fakten und Errungenschaften, die es zur Kenntniss zu nehmen gilt und danach womöglich auch von Hobbyleuten in ihre Zuchtbemühungen miteinbezogen werden können. Ich sage können, nicht müssen. Muss sich auch nicht unbedingt im IHS wiederspiegeln, oder noch schlimmer, von irgendwelchen Organisationen den Züchtern auf den Kopf gehauen werden. Was ich vermisse, ist eine mehr offene Attitüde zu den Errungeschaften anderer, und die dazugehörige vernünftige Kommunikation.


    Zitat

    Da sehe ich schwarz. Da ich die russischen Materialien nicht kenne, kann ich nichts dazu sagen.


    Ich bin gerade dabei, diese zu entschlüsseln. Es sind einige sehr interessante Ideen dabei, das kann ich bereits sagen. Ohne biochemischen Kenntnissen wird es aber nicht gehen, denn darin stecken die Unterschiede der Systeme. Ich habe bereits Antworten auf einigen Fragen, die ich den verantwortlichen russischen Biologen gestellt habe bekommen, und erwarte noch mehr Antworten. Die Katze ist aus dem Sack! Es ist eigentlich erstaunlich, welche Wissensgrundlage sich in Europäischen Arbeiten bereits zu finden ist, die aber nichtsdetrotz von Hobbyleuten "übersehen" wird. Meist wird nur elegant übergangen, mit "Wir haben das hundert Jahre schon gekreuzt". Und dabei haben wir gerade das nicht. Beispiel: Getrennte Vererbung von Rot und Gelb - gibt es diese? Und wenn ja, kann sie als Grundfarbe qualifizieren, in der Art wie beispielsweise die unterschiedlichen Blauen oder Albinos?


    Zitat

    Zum IHS: Ich bin der Meinung, dass nur der Phänotyp bewertet werden kann. Alles, was an Genetik neu zu berücksichtigen wäre, müsste dann auch phänotypisch erkennbar und eindeutig unterscheidbar sein, denn es sind die Fische, die bewertet werden müssen.


    Ja sicher. Die Genetischen Hintergründe beeinflussen auch die Eigenschaften der einzelnen Typen in der Haltung und Zucht. Einige Züchterische Deilikatessen gibt es, die etwas mehr Fingerspitzengefühl und/oder Arbeit verlangen, was sich doch auch im IHS abspiegeln sollte.


    Zitat

    Wir hatten ähnliche Diskussionen vor Jahren in einem mittlerweile nicht mehr existierenden Forum.


    Ich kann mich schwach daran erinnern.


    Zitat

    Ich sehe, zumindest für Deutschland, ein ganz anderes Problem. .........Durchgänge zur deutschen Meisterschaft erleben. Sorry, das ist arm, dass die absolute Mehrheit der Clubs nicht mal mehr eine Ausstellung schultern kann oder will! Die immer weniger werdenden Aktiven sind in den verschiedensten Clubs, eine Zusammenarbeit ist schwierig.


    Ja das ist ein Problem. Hier in Skandinavien sehen wir ein ähnliches Problem, das auch andere Ursachen hat. Die "Aktivisten" von damals werden älter und der Nachwuchs hat 1. Keine Ahnung von oder Lust zu Vereinswesen, sitzen lieber vorm Bildschirm und 2. Weniger Lust am Selberbasteln und möchten lieber "fertige Genpakete" besorgen. Hinzu kommen die Probleme die du schon erwähnt hast.


    Zitat

    In Deutschland muss, glaube ich, wirklich erst Ruhe einkehren, es muss der Weg zu mehr Miteinander gefunden werden (aber wie?) oder es müssen sich einfach ein paar der Clubs wieder auflösen... erst dann können wir wieder stärker über die Grenzen schauen.


    Kann sein. Oder - es ist wirklich höchste Zeit was neues zu bauen und dabei den Nachwuchs hervorzulassen. Ich glaube, pardon, aber hier überschätzen sich die Deutschen auch etwas. Es gibt andere Züchter in Europa. Es soll nicht bei Deutschland oder einem anderen einzelnen Land liegen, wie oder wann was anerkannt werden soll. Allerdings ist Deutschland sehr Wortführend...


    Zitat

    Und schließlich: Mir geht es so, dass ich im Moment meine Schwerpunkte geändert habe - ich habe die "Hochzucht"guppys stark reduziert, ein paar interessante Wildformen dazugenommen und ich erfreue mich an meinen Endlers - anstatt auf Ausstellungen über ungerechte Wertungen und Drittelpunkte zu lamentieren!


    Geht mir genauso - abgesehen davon, das ich doch sehr hoffe, das die Bewertungen nicht ungerecht ausfallen. Ich bin der Meinung, der Gewinner wir immer richtig erkannt, egal welche Punkte und wie ausgeteilt werden.


    Zitat

    Ob es international Vorurteile gibt, kann ich auch nicht beurteilen -


    Leider gibt es ständig auftauchende, für mich sehr störende Beweise dieser Vorurteile. Dabei kann man Tante Googles Übersetzerfunktion betätigen und die Internetseiten unserer Kollegen in ein paar Ländern anschauen. Oder nur einfach in Richtung Amerika oder Canada schauen. Ich denke, hier kann nur ein ehrlicher Wille zur Kommunikation dem entgegenwirken.


    Zitat

    ...man käme sich aber europaweit vielleicht näher, wenn seitens des IKGH ein paar Anstöße kommen würden (z.B. ein "yearbook", ein internationales Forum und eine eigene Webpräsenz, die nicht bei jedem Präsidentenwechsel umstrukturiert werden müsste!).


    Es obliegt jedem Mitgliedsverein, mit Vorschlägen beizutragen. Ob das nun bei einem organisatorisch so "schwierigen" Kolossen wie der IKGH dann gelingt, vernünftige Beschlüsse zu fassen, das ist eine ganz andere Angelegenheit.


    Auf jeden fall ist jetzt Kontakt aufgenommen. Momentan sehe ich nur Sprachschwierigkeiten als Hemmfaktor. Mal sehen was daraus wird. Ich werde demnächst meine Grippe konstruktiv ausnützen :oops: und Zeit für ein paar Vergleichstabellen nehmen.


    MfG
    Christina