Poecilia obscura

  • EIn neuer Stern im Guppyhimmel ---


    Ist sich hier jemand bewusst, ob er diesen Guppy hält? Manch WIldformenhalter hat ja Guppys aus Trinidad. Die Art wurde ja bisher nicht erkannt. Die Fotos in der Artenbeschreibung lassen den Schluss ziehen, diese sollen etwas kürzeren Schwanzstiel haben und etwas breiteren auch. Bei meinen Trinidadguppys kann ich diese Tendenz nicht feststellen.


    Wie soll einer wissen, ob er seine reticulata-guppys mit unerkannten obscura-guppys gemischt hat? Oder ob der Hälter bevor ihn sie gemischt hat? :?:


    MfG
    Christina G

  • Denke bewust ist da keiner, es sei mann kennt genauer Fundort.
    Wo wir die fast nicht erkennen können, habe ich eine eigene Meinung.
    Werde also auf ein Heim-DNA-Test-satz warten, erst dan würde ich obscura unterscheiden.


    Viele Grüsse, RobS

  • hallo Christina,


    In den Bestandslisten der letzten Jahre waren nie Trinidadguppys mit vernünftigen Fundort gemeldet. Sind scheinbar nicht im Umlauf.


    Am Anfang wurden doch wahrscheinlich viele Guppys aus Trinidad weltweit zur Mückenbekämpfung (aus welchen fundorten auch immer) ausgesetzt...
    Da könnte weltweit dann doch ein ziemliches Kuddelmuddel unterwegs sein...


    Gibt es noch altmodische P. reticulata Wildstämme in Privathaltung oder sind die alle schon durch P. wingei ersetzt?



    grüße


    Harald

  • Hallo Harald,
    schau doch mal in die neueste Bestandsliste. Es ist schon erstaunlich wie viele Guppywildstämme wir in der DGLZ pflegen.
    Ab wann gilt bei Dir "altmodisch"? Meinen ältesten Wildguppy-Stamm von der Isla Margarita habe ich seit 1997, gefangen wurden die Vorfahren 1994 , meinen Rio Tocantins-Stamm habe ich seit 1998.
    Mal abwarten was noch so rumschwimmt.
    Beste Grüße
    Detlev

  • Hallo,


    die phänotypischen Unterschiede, also vor allem der kürzere und dickere Schwanzstil, sind für mich nicht geeignet, um eine neue Art aufzustellen (darauf basiert die Beschreibung ja auch nicht wirklich) - ich wüsste gern, wie die Fundorte aussehen, an denen diese Tiere gefangen wurden: Wenn es sich dabei um strömungsreichere Gewässer handeln sollte, könnte dies schon ausreichen, um solche "Unterschiede" hervorzubringen. Ganz abgesehen davon, dass es auch unter den Zuchtguppys Formen mit deutlich kurzen und "massigen" Schwanzstilen gibt!

  • wildstämme schon, aber Trinidad?


    In den BL 6-9 sind nur ein trinidad "blau" und ein FO sumpfiger Tümpel, südlich Claxton Bay, Coura - Trinidad 2005 verzeichnet. Angesichts der sehr gut erforschten Guppyvorkommen auf trinidad herzlich wenig. Tobago haben wir mehr, sind da die Strände schöner?

  • Hallo zusammen,


    interessant, dass diese Diskussion jetzt nochmal aufkommt. Sie wurde schon mal im Diskussionsfaden "(cf.) wingei - Fundort VE-103" angefangen. Die Unterscheidung aufgrund der mt-DNA ist spannend. Frühere Untersuchungen der mt-DNA (Breder?) haben nämliche keine signifikanten Unterschiede zwischen Cumana und normalen Wildguppys gezeigt. Und bei der sog. Eva-Untersuchung wird auch ausgesagt, dass nicht alle Bereiche der mt-DNA (u.a. ein Teil der hier immer untersuchten) für solche Abstammungsuntersuchungen geeignet seien (Quelle: Wikipedia). Andererseits scheint die mt-DNA durchaus ein Mittel zu sein, phylogenetische Strukturen aufzuklären, wenn auch mit Vorsicht (X. clemenciae sei ursprünglich hellerii x maculatus; A. Meyer u. Schartl).


    Dass ein ziemliches "Kuddelmuddel" unterwegs ist, ist fast nicht zu vermeiden. Und das betrifft wohl nicht nur die Wildguppys, sondern viele Wildformen, die in verschiedene Arten aufgespalten wurden oder werden oder werden könnten, wenn man denn wollte (und das Geld und die Zeit für die Untersuchungen hätte). Dass P. obscura aus "Versehen" irgendwo gehalten wird, glaube ich eher nicht. Und bei den eingebürgerten Fundorten (von Köln bis Afrika) ist eh nichts zu erwarten. Spannender ist nur der Grenzbereich zwischen ursprünglichem und künstlich erweitertem Gebiet. Wo auch immer das liegen mag.


    Gegenmaßnahmen: Fundorte rein erhalten, rein weitergeben und auch sauber dokumentieren (d.h. den Beutel beschriften!)


    Gruß
    CR

  • Hallo zusammen,
    Am 13. März hat Prof. Schartl einen unterhaltsamen Reisebericht und gleichzeitig hochinteressanten, mit vielen wissenschaftlichen Fakten gespickten Vortrag über Poecilia obscura, P. wingei und Endlers Guppys gehalten. Wenn einer eine Reise tut... Die wesentlichen wissenschaftlichen Fakten sind in der Erstbeschreibung nachzulesen. Aufmerksamkeit verdienen jedoch die Details, für die in einer solchen Arbeit nicht immer Platz ist.


    Ein erster Exkurs diente dem Verständnis, wie eine "Art" im biologischen Sinn zu sehen ist: eine Fortpflanzungsgemeinschaft, die sich genetisch von anderen unterscheidet (Mayr). Aufgrund dieses Artbegriffs können die vorgestellten Arten klar definiert werden. Der Artstatus von P. reticulata wird durch die Tiere belegt, die Peters und Günther vorgelegen haben. Die Erstbeschreibung von P. wingei entstamme dagegen wohl eher einem "Bauchgefühl", dass es sich um etwas anderes als P. reticulata handelt. Die dabei verwendeten Unterscheidungsmerkmale sind aber für eine klare Abgrenzung wissenschaftlich nicht ausreichend abgesichert.


    Obwohl erst kürzlich beschrieben, wird die Art P. obscura von Schartl bereits als bedroht angesehen. Ursache ist ein menschlicher Eingriff: Für ein wissenschaftliches Experiment wurde vor vielen Jahren im jetzt bekannt gewordenen Verbreitungsgebiet von P. obscura die Art P. reticulata aus Westtrinidad ausgesetzt. Mit diesem Experiment sollte untersucht werden, ob sich farblosere Tieflandguppys, die großem Feinddruck ausgesetzt sind, zu bunteren Hochlandguppys verwandeln (bunt, da ohne Feinddruck). Durch diesen Eingriff wurde die bisher durch eine Wasserscheide abgetrennte - und damit eigentlich ungefährdete Art - in ihrem gegenwärtigen Verbreitungsgebiet einer konkurrierenden Art ausgesetzt. [Anmerkung: Für dieses Experiment hätten auch Oropuche-Guppys - also P. obscura - aus demselben Flusssystem verwendet werden können, denn auch bei P. obscura gibt es Ober- und Unterlaufformen, siehe DGLZ RS 2007 Heft 3.]


    Die ausgesetzten P. reticulata sind bereits in manchen Gewässern zusammen mit P. obscura anzutreffen und scheinen P. obscura zu verdrängen. Anhand eines Fotos solcher, gemeinsam gefangener Tiere beider Arten wurde nochmal deutlich, dass P. obscura und P. reticulata optisch nicht zu unterscheiden sind. Im Aquarium kreuzt sich P. obscura mit P. reticulata bisher nur schwer. Die Aquariennachzucht ist bisher nicht einfach, was generell anfangs für viele Wildguppys gelte. Aquarianer sollten sich um die Erhaltung von P. obscura bemühen. Es konnten allerdings noch keine Tiere abgegeben werden.


    Die von Poeser et al. beschreibene Art Poecilia wingei ähnelt äußerlich der bekannten Aquarienpopulation von Endlers Guppy und den aus Cumana bekannten Formen. Die Vielfalt an Färbungsvariationen ist immens. Das typische, immer wiederkehrende Farbmuster ist jedoch das zumeist unterbrochene rote Längsband, die metallisch grünen und schwarz gefärbten Bereiche. Die genetische Untersuchung bewies die Zugehörigkeit der Endlers Guppys zu P. wingei. Mit Testosteron behandelte Weibchen von P. wingei entwickeln ebenfalls das rote Längsband, im Gegensatz zu so behandelten P. reticulata. Auf keinen Fall haben P. wingei kleine runde Punkte wie sie viele P. reticulata aufweisen. P. wingei hat ein geteiltes Verbreitungsgebiet (Cumana einerseits und an der Basis der Paria-Halbinsel), unterbrochen von P. reticulata.


    Die Gefährdungssituation von P. wingei sieht Schartl ähnlich wie für P. obscura. Genetische Analysen wurden sowohl an Wild- als auch an Aquarienpopulationen durchgeführt. Im Stadtgebiet von Cumana kommen sowohl P. wingei (SW) als auch P. reticulata (NO) vor. Da die Stadt von Kanälen durchzogen ist, sind (ausgesetzte) P. reticulata mittlerweile an vielen Stellen zu finden. Im Gegensatz zu P. obscura kreuzt P. wingei leicht mit P. reticulata, so dass Hybriden häufig sind. Ebenso sind viele Aquarienpopulationen von Endlers Guppy tatsächlich Hybriden, die auch genetisches Material von P. reticulata enthalten. Äußerlich seien diese Hybriden von "reinen" Endlers Guppys der Art P. wingei nicht immer unterscheidbar. In den Analysen tauchen diese Hybriden im reticulata-Zweig des Stammbaums auf. Damit kann dann auch erklärt werden, warum frühere genetische Untersuchungen keine großen Unterschiede zwischen Endlers Guppy und P. reticulata fanden. Die Zuordnung der Staeck-Guppys ist bisher nicht geklärt, die Tiere enthalten auch wingei-Gene.


    Auch bei dieser Art können verantwortungsbewußte Aquarianer helfen, sie im Aquarium zu erhalten. Um versehentliche Kreuzungen grundsätzlich auszuschließen, findet Prof. Schartl es wünschenswert, wenn sich engagierte Aquarianer auf nur eine der drei Arten beschränken würden.


    So weit die Ausführungen von Prof. Schartl, wie ich sie verstanden habe, mich erinnere und sie für mitteilenswert und interessant halte.
    Gruß
    CR

  • Hallo zusammen!


    Ich werde meine obscuras ganz sicher nicht mit anderen Guppies zusammen halten, jedoch jede Gelegenheit nutzen, die drei Arten zu beobachten. Mittlerweile werden vereinzelt Exemplare vergeben, ich bin eine der glücklichen Empfänger :D


    MfG
    Christina G

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