Die Namen unserer Aquarienfische

  • Hallo Leute, die Osterfeiertage trotz Coronavirus gut verbracht? Okay, ich meinerseits bin zu Hause geblieben bei Sonnenschein, aber nur bei + 10 ° C und da las ich in der Rundschau Harros Artikel "Poecilia kempkesi revidiert", wo Harro schreibt "Es tut mir besonders für Michael Kempkes leid ....". Also, ich muss da schon wieder auf die "altbewährte" Datz (12/91) zurückkommen, wo Jacques Géry einen Vierseiter über heutige wissenschaftliche Beschreibungen vor allem in der Ichthyologie schreibt, und sich beklagt über "zuweilen unklare Anweisungen im Code", die zu sogar teilweise zu absurden Artbezeichnungen führen können. So verweist er als ein krasses Beispiel auf "Maylandia hajomailandi" hin als eine ehrgeizige Erstbeschreibung eines Aquarienjournalisten. Im Internet kann man in der "Liste lateinischer und griechischer Namen in der biologischen Systematik" lesen, dass es "verpönt" ist, dass der Erstbeschreiber seinen eigenen Namen bei der Artbenennung einbringt, in der Regel wird in lateinischer Sprache auf den Fundort oder Wesensmerkmale des Fisches hingewiesen, wie zum Beispiel Melanotaenia lacustris, = Fisch mit schwarzem Strich aus einem See, oder Xiphophorus maculatus = Schwertträger gefleckt. Allerdings hat der Erstbeschreiber auch die Freiheit im Art-Epitheton eine Person zu Ehren, wie es Gerald Allen mit Chilatherina bleheri getan hat. Fred Poeser hat versucht auch davon Gebrauch zu machen und mit Poecilia kempkesi Michael Kempkes geehrt. Seinen Artikel ("Apropos Guppys") kann man im Internet nachlesen, die Kritik von Brayanca & Ottoni von 2021 leider nicht so einfach. Aussergewöhnlich finde ich die Artbenennung von Carlhubbsia stuarti, denn Carl Hubbs (1894 - 1974), ein amerikanischer Ichthyologe, wird sogar im Gattungsnamen gebraucht. However, jeder mag sich selbst einen Reim auf das Gerangel bei Erstbeschreibungen bei Aquarienfischen machen - er lese Jacques Géry in der alten Datz 12/91, so man sie hat! - Es grüsst im "Chat-Modus" ganz freundlich Zephyr ( = ist auch Altgriechisch und ist ein böiger Südwestwind im antiken Griechenland). :)

  • Hallo, noch'n Nachtrag zur Gattung Xiphophorus. Das ist eine Zusammensetzung der beiden altgriechischen Wörter xiphos = Schwert und phorein = tragen.

    Die Art Xiphophorus maculatus hat gar kein Schwert, wurde aber aus der einstigen Gattung Platypoecilius nachträglich der Gattung Xiphophorus zugeordnet. Hätte besser Xiphophorus pygmaeus anführen sollen, den "Zwergschwertträger", denn das ist ein Fisch mit kurzem Schwert, siehe Meyer, Wischnath, Foerster, S. 387. Okay, bin kein Altphilologe und habe mich noch nachträglich selbst informiert - man kann immer was dazulernen, das Internet macht's möglich! Sorry für meine Wissenslücken, nobody is perfect! - Zephyr :)

  • Lieber Zephyr,


    die Gattung Xiphophorus wurde 1848 von Johan Jakob HECKEL (1790 in Mannheim - 1857 in Wien) beschrieben:


    "Eine neue Gattung von Poecilien mit rochenartigem Anklammerungs-Organe. Sitzungsberichte der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften. Mathematisch-Naturwissenschaftliche Classe, 1 (1-5) [1848]: 289-303, Pls. 8-9."


    Findest Du vielfach im Netz oder in der DGLZ-Rundschau 1/1985 - dürfte es hier im Archiv geben - dort hat Harro HECKELs Arbeit sehr schön zusammen gefasst.


    Kurz und gut: Mit dem "Schwert" ist das Gonopodium, oder bei Heckel das "rochenartige Anklammerungs-Organ" gemeint. Die Bedeutung des Gonopodiums war HECKEL damals unbekannt.


    Sind wir also wieder beim "Kaiserlichen", aber seitdem wissen wir, dass nicht ein Schwertfortsatz einer Schwanzflosse, sondern das Gonopodium das "Schwert" der Xiphophorus-Arten darstellt.


    Gruß


    Erich

  • Hallo dear fish friends! Hatte hier meinen letzten Kommentar gelöscht, der diesbezügliche Hinweis wurde vom "Administrator" auch gelöscht - why that? Okay, wollte nur sagen, "Heckels kaiserliche Zeiten" vom 19. Jahrhundert sind vorbei und wissenschaftliche Artikel werden heute in englischer Sprache geschrieben - so geschieht's auch mit dem "Schwertträger" = englisch "sword tail" = das Schwert wird am Schwanz getragen und ist im heutigen Sprachgebrauch nicht das Gonopodium. aber auch andere Körpermerkmale haben die Platys in die Gattung Xiphophorus verwiesen, es sind "Zahnkarpfen" und der hochrückige Körberbau ist ist ähnlich. Bei John Alcock "Das Verhalten der Tiere aus evolutionsbiologischer Sicht" (1996) gibt's ein Schaubild auf Seite 181, wo aus evolutionsbiologischer Sicht gezeigt wird, wie es zum "swordtail" der Schwertträger gekommen ist. Ich spare mir die Entwicklung des Schwertfortsatzes in Worten und kann leider das Schaubild hier auch nicht einblenden, darf's eventuell auch nicht wegen copy right Regeln! Schon der alte Vigilius klagte "tempus fugit" - die Zeiten ändern sich - so auch der Sprachgebrauch! - Aber, ich will nicht unbedingt das letzte Wort hier haben - ich kann mich täuschen! Es grüsst ganz freundlich Zephyr

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