Hallo DGLZ-Experten in Sachen Suesswasserhalbschnaebler! - Der Sommer neigt sich dem Ende zu ... man hat wieder Zeit zu lesen. Also ich lese da in Amazonas Juli/August 2013 bei Huylebrouck zu Sulawesi-Halbschnaeblern: a) "Wenige Aquarienbeobachtungen" - falsch! Mache ich schon lange! - Es ist aber eben so, "Wissenschaftler" lesen keine Artikel von Amateuren, sie leben in ihrem universitaeren Elfenbeinturm! Dazu haette ich z.B. einen "universitaeren" DATZ-Artikel (1994) betitelt: "Scriptor pretentiosus ist keine bedrohte Art!" - da bekommt jeder schreibfreudige Amateur Schuettelfrost. - b) Huylebrouck: "... matrotrophe Arten produzieren mehr, aber kleineren Nachwuchs als Arten, bei denen sich der Nachwuchs ausschliesslich ueber den Eidotter ernaehren muss." - Satz b) erscheint mir hoechst unlogisch - denn nach eigener Beobachtung haben z.B. N. liemi und auch N. ebrardtii wenig, aber dafuer grosswuechsige (bis zu 2 cm Koerperlange!) Jungfische. Meine Nachzuchten dieser Arten erbrachten maximal 12 Jungfische, aber die abgesetzten Jungfische hatten eben eine Koeperlaenge von 2 Zentimetern - d.h. eine bemerkenswerte Biomasse, die sich eben dadurch erklaeren laesst, dass es einen intensiven Naehrstofftransfer von der Mutter zum Embryo gibt - in engl. = "extensive placentrophy". - Meine Meinung: Man kann nicht alles glauben, was in "Fachzeitschriften" veroeffentlicht wird - selbst wenn' s von promovierten Biologen geschrieben wurde. Aber: Dem Wunsch nach "Aquarienbeobachtungen bei Halbschnaeblern" bin ich nachgekommen. Zephyr gruesst die Fachexperten ![]()
Literaturkritik an Huylebrouk
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Typischer Flüchtigkeitsfehler. Es muss natürlich lecithotroph heißen.
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Hallo und bonjour HH! Also der Austausch von den Worten, lecitotroph statt matrotroph hilft nicht viel, um den Satz zu retten - man muesste ihn neu formulieren. Das traue ich dem Autor durchaus zu - aber man liest eben das, was geschrieben steht - was muss denn der Amazonleser an eigenem Wissen dazutun fuer das Textverstaendnis? Zudem, die Einteilung der Halbschnabelhechte in die Gruppen I bis V, das habe ich zwar anderweitig auch schon gelesen - aber die Zusammenhaenge Superfoetation, Adelphophagie, Matrotrophie ... sind bei Halbschnaeblern noch gar nicht endgueltig erforscht. Man darf also Zweifel anbringen, wenn man diese Fische selbst pflegt. Und: Gerade setzt bei mir ein Guppy Junge ab - ein frisch geborener Guppy ist im Vergleich zu einem Halbschnaebler der Art N. ebrardtii ein Winzling - aber beide Arten sind matrotroph, wenn ich's recht verstehe, aber die Strategie des Guppies ist es in eine groessere Zahl von Jungfischen zu setzen ... relativ besehen ist die "Biomasse" der abgesetzten Jungen evtl. gleich. Hat das einer schon mal nachgemessen? Also ich nehme das als "Laienbiologe" einfach mal als gegeben an! Es gruesst ganz freundlich - Zephyr
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Nein, der Austausch löst das Problem vollständig, lecithotrophe Arten haben mehr und kleinere Junge.
HH
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Hmm? Also Sie meinen der Satz muesste lauten "...lecithotrophe Arten produzieren mehr, aber kleineren Nachwuchs als Arten, bei denen sich der Nachwuchs ausschliesslich ueber den Eidotter ernaehren muss." Das Problem ist nur, "lecithotroph" bedeutet, dass sich entwickelnde Jungfische ueber den Eidotter ernaehren und begnuegen - der Jungfisch verliert an Biomasse, im Vergleich zum gerade befruchteten Ei. Satzanfang und Satzende behandeln eine gleiche Reproduktionsweise - "die Katze beisst sich hier in den eigenen Schwanz!". Als interessierter fishkeeper und Laienbiologe habe ich dank Ihrer Empfehlung "Ecology and Evolution of Poeciliid Fishes" gekauft und z. B. gelesen Chapter 3, von Pires, ... and Reznick, "Variation and evolution of reproductive strategies", da geht's unter anderem ueber "Material provisioning", also um Begriffe wie Matrotrophie und Lecithotrophie , Seite 30 und 31! Ich bleib dabei, der Satz passt hinten und vorne nicht! Wie man doch verschiedener Meinung bei Textveroeffentlichungen sein kann! Gruss, aus Frankreich! C4
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Sie haben Recht, ich hätte genauer lesen müssen, es muss im letzten Abschnitt heißen "nicht nur vom Eidotter".
HH
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Hallo - die Fachwelt! Also ich habe auch meinen Bleistift gespitzt und wuerde korrigieren: "Matrotrophe Arten produzieren weniger, aber groesseren Nachwuchs, als lecithotrophe Arten, bei denen sich der Nachwuchs ausschliesslich ueber den Eidotter ernaehren muss." Ob jeder Amazonasleser so den Huylebrouck-Text lesen und interpretieren kann? Das waere eine Aufgabe, wie bei einem Scrabblespiel. Er muesste eben auch "Ecology and Evolution of Poeciliid Fishes" zur Hand haben. Man muss "gattungsuebergreifend" (fischfamilienuebergreifend) lesen. Waere zumindest hilfreich, um die Begriffe Matrotrophie und Lecithotrophie zu ergruenden. In der Regel liest man sicher ueber solche Stolperstellen einfach weg, man ist eh gestresst von den Sorgen des Alltags ... Und wenn man zu den Merkmalen "Superfoetation" oder gar "Adelphophagie", kommt, wird einem als fish-keeper ganz heiss um's Herz bei der Lektuere: Haben meine Nomorhamphus-Hechtlinge eventuell auch sowas? - Nur ist es so, ich, ich bin halt kein Amazonas-Abonnent, ich bekomme selten diese Zeitschrift in die Hand.
C4 - Ein Nachtrag zur Guete: Ich moechte den Artikel von Jan Huylebrouck nun nicht verteufeln - fand ihn, um gerecht zu sein, interessant und lesenswert. Aber als fish-keeper, mit 22 Nachzuchtfischen aus drei Wuerfen, habe ich momentan den Verdacht, dass ich nahezu nur Weibchen habe - das Thema "sex-determination" spricht Huylebrouck bei Halbschnaeblern leider nicht an. In besagter Aufsatzsammlung "Ecology and Evolution of Poeciliid Fishes" gibt's mit Kapitel 24, von Manfred Schartl et al., "A primer of sex determination" (= Grundsaetze zur Geschlechterbestimmung). Z. B. beim Guppy wird das Geschlecht genetisch festgelegt - siehe 24.3, "Genetic sex determination in Poecilia", S. 269 - aber "wenig ist bekannt ueber die Geschlechtsfestlegung bei Mollies", S. 271 (eigene Uebersetung). Eben! Fuer Halbschnaebler muss zu dem Thema noch geschrieben werden - jedenfalls Huylebrouck kommt auf dieses Thema nicht zu sprechen. Schade! :geek:
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